Tag 12 Squalls

Welcome back to the land of squalls. Willkommen zurück im Land der Trolle! Ähhh – Squalle! Ich bin schon ganz wuschig, weil die Kinder den ganzen Tag Hörbücher über Feen und Trolle hören…

Aber ob nun Troll oder Squall, ich kann sie beide nicht leiden. Vor allem nicht, wenn sie sich morgens um sechs heimlich von hinten anschleichen!

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle noch mal kurz erklären, was ein Squall ist: Ein tropisches, lokales Wetterphänomen. Eine fette, fiese, schwarze Riesenwolke, die kurzfristig viel Wind und Regen bringt. Natürlich kann der Wind dabei auch mal um 100 Grad drehen und eine Halse verursachen, oder das Boot quer zur Welle drehen, so dass alles vom Tisch fällt. Der gemeine Squall ist halt ein fieser Troll… (schon gut, ich höre jetzt auf damit).

Im letzten Jahr sind wir keinem Squall begegnet, wir waren einfach zu weit südlich. Aber jetzt sind sie wieder da und wir haben sie echt vermisst, wie Zahnschmerzen.

Heute Morgen haben uns gleich vier heimgesucht. Beim ersten hat Bianca den Käpt’n geweckt, mit dem zweiten bin ich ganz gut alleine klargekommen und beim dritten war ich hoch erfreut, meinen Mann schon wach und munter neben mir zu haben. Der hat den scheinbaren Wind nämlich mal eben von 19 auf 29 Knoten katapultiert und JD refft natürlich viel schneller und routinierter als ich.

Squall Nummer vier hat uns gar nicht erwischt, war aber in sofern unangenehm, dass er dräuend hinter uns durchzog, während von Steuerbord querab zwei Frachter genau auf uns zukamen. Beim ersten war schließlich klar zu erkennen, dass er vor uns durchgehen würde. Aber der Zweite rückte uns deutlich zu dicht auf die Pelle! Als das AIS eine Annäherung auf 120 Meter in 20 Minuten anzeigte, immer noch mit dem Squall hinter uns, 25 kts Wind und krassen Wellen, hat JD den Frachter mal freundlich angefunkt. Ob er uns überhaupt sehen kann und was er vorhat? Ja, er hat uns auf dem Schirm (im wahrsten Sinne des Wortes) und geht gleich 15 Grad backbord um uns entspannt achter zu passieren. Sprich: er fährt um uns rum. Sehr freundlich!

Natürlich ist er dazu verpflichtet, auch wenn wir, wie in diesem Fall, eine Seeschifffahrsstrasse kreuzen, da wir unter Segeln sind und er nicht. Aber trotzdem: Sehr freundlich!

Wir sind diesem Frachter übrigens in Australien schon einmal begegnet. Warum wir das noch wissen? Der Name ist in diesen Zeiten doch sehr einprägsam: Corona Wisdom!

Backbord: der erste Frachter
Steuerbord: die Corona Wisdom vor dem Squall. Die Bilder sind in der selben Minute aufgenommen worden, ehrlich!
Unser Plotter kurz vorher.

Frachter und fiese Winde haben sich dann verzogen, die steile Welle blieb uns aber noch bis zum Mittagessen erhalten. Mittlerweile liegen südlich von uns wieder ein paar Riffe, was die Seen deutlich ausbremst und die Welle milder macht. Dennoch ist so Manche noch hoch genug, dass wir mit einem Affenzahn und lautem Rauschen hinunter surfen und sich die Pami heftig auf die Seite neigt. Bloß nichts ungesichert irgendwo stehen lassen!

Wir hoffen nun alle auf eine ruhigere, nächste Nacht. Einige haben es echt nötig. Obwohl ich für meinen Teil verkünden kann, dass ich einen äußerst erquickenden Mittagsschlaf genießen durfte – was ihr vielleicht an meinem munteren Schreibstil merken könntet! 😉

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