
Drei Wochen verbringen wir auf dem Trockenen in Cartagena. Die Werft heißt Astilleros de Cartagena, kurz ASCAR und wir können sie nur wärmstens empfehlen.

Fadel, unser Mechaniker, kennt sich gut aus und hat keine Scheu davor, alles auszubauen und zu öffnen – dann wird man schon sehen was kaputt ist und wie man es reparieren kann! Wir gehen auf jeden Fall davon aus, dass es auf beiden Seiten Lagerschäden und eventuell auch Schäden am Saildrive-Getriebe durch Überbelastung in schwerer See gegeben hat und durch zu ambitionierte Einstellungen der Parameter des Motorcontrollers. So war die Drehzahlbeschleunigung mit 2000 Umdrehungen pro Sekunde² (!) so schnell, dass es dadurch zu extremen Belastungen im Motor kommen musste.

Gleich der erste Tag auf der Werft entwickelt sich, auch in sozialer Hinsicht, höchst erstaunlich: es sind zwei deutschsprachige Crews hier, mitsamt eines Spielkameraden für die Jungs und während die Pami noch in den Schlingen hängt, kommen wir aus dem Plaudern gar nicht mehr raus. An Bord des Vaters, der uns liebenswürdigerweise aus dem Staub in sein Heim komplimentiert, poppt dann auch noch eine Nachricht auf JDs Handy auf: Ein ehemaliger Rewe-Kollege ist auf der AIDA, die wir gerade eben beim einparken in den nebenliegenden Hafen beobachtet haben!
Maik hat die Reise der Pami offenbar aufmerksam verfolgt, auf noforeignland erkannt, dass wir auch hier sind und sich gemeldet. Nur 20 Minuten später steht er mit Frau und Sohn vor der Tür: Es lebe die Spontanität!

Die mittlerweile vier Jungs verschwinden irgendwo zum Kartenspielen, so dass wir Großen Zeit zum Unterhalten und Fisch essen haben. Zum Glück muss die Pami sowieso erst mal ordnungsgemäß eingeparkt werden und braucht uns derzeit nicht.
Wir nehmen den Tag als gutes Omen, dass das Schicksal sich jetzt wieder wendet und der ganze Stress und die Sorgen der letzten Wochen nun vorbei sind und es wieder Berg auf geht.
Das tut es auch, aber mühsam. JD verbringt die meiste Zeit mit Arbeit rund um den Antrieb. Ersatzteile bestellen, Recherche, Kontakt mit Oceanvolt und Zusammenarbeit mit dem Mechaniker sind nervenaufreibend aber erfolgreich. Ich kümmere mich um kleinere Reparaturen und Instandhaltung. Natürlich geht auch der Bordunterricht für die Jungs weiter – Langeweile kommt also garantiert nicht auf!

















Cartagena ist eine schöne Stadt, die mit ihrer trutzigen Stadtmauer und den Naturstein gepflasterten Gassen, den Charme aus alter Ritterzeit verbreitet. Wir gehen ein paar mal Tapas essen, das ist schließen das beste Pflichtprogramm in Spanien, sind aber überrascht über die knackigen Preise hier! Klar sind hier auch viele Touristen unterwegs, aber normalerweise findet man in drei Wochen auch die Geheimtipps der Einheimischen, wo es gut und günstig ist. Diesmal leider nicht; nun denn.


Am Ende der drei Wochen können wir zutiefst erleichtert vermelden, dass beide Motoren und saildrives wieder perfekt Instand gesetzt sind! Hätten wir schon früher gewusst, dass auch das Innere so eines Elektromotors kein Hexenwerk ist und die Standartlager einfach bestellt und ersetzt werden können, wäre uns vermutlich viel erspart geblieben…

Hier eine schnelle Liste der Reparaturen, für alle die es interessiert. Ich habe davon, ehrlich gesagt, so die Nase voll, dass ich am liebsten gar nichts mehr darüber schreiben würde.
Backbord Motor: unteres Kugellager total zerfetzt, Kugeln vom Magneten angezogen und verursachten so den Kurzschluss. Neue Kugellager.
Backbord Saildrive: neue Lager und ein neues von Oceanvolt gesendetes Getriebezahnrad.
Steuerbord Motor: neue Kugellager.
Steuerbord Saildrive: neue Lager.
Nachdem das letzte Ersatzteil angekommen und verbaut ist wird noch final ein neues Antifouling aufgebracht und dann dürfen wir diesen staubigen Werkstatthof endlich verlassen!
Die Propeller bekommen diesmal einen roten Schutzanstrich. Finde ich ja richtig schick, das interessiert aber nicht, es muss nur wirken.

Wieder im Wasser und befreit von den Kranschlingen, hält uns nichts mehr! Es geht sofort raus aus dem Hafen, hoch mit den Segeln und auf nach Westen! Zwei Ankerschlafstopps legen wir noch an der spanischen Küste ein, da zu wenig Wind ist. Die dritte Nacht wird durchmotort. Können wir ja jetzt wieder. Wir wollen endlich ankommen, schlafen können wir immer noch!


Am Abend des vierten Tages sind es dann nur noch 30 Meilen bis Gibraltar, die Vorfreude und die Müdigkeit steigen. 30 000 Meilen liegen in unserem Kielwasser, seit wir damals von hier in See stachen, wagemutig und voller Hoffnungen. Da könnten die letzten 30 ruhig ein wenig schneller vergehen!
In der Nacht des 26. August 2024 erreichen wir Gibraltar und kreuzen damit unsere Kurslinie.
Wir sind Weltumsegler!

Circumnavigation completed!!!
Erst am nächsten morgen wird uns klar, dass wir auf den Tag genau sieben Jahre gebraucht haben. An einem 26. August sind wir von hier in unser großes und vor allem langes Abenteuer gestartet. Drei Jahre waren geplant, bis Australien, um dort dann das Boot zu verkaufen. Nun, nach drei Jahren kam Covid und in Australien die Bürokratie. So sind wir dann in sechs Jahren um die halbe Welt gesegelt und in nur einem Jahr um die andere Hälfte.

Eine große Feier gibt es noch nicht. Die heben wir uns für eine Zeit auf, wenn wir uns erfolgreich wieder an Land angesiedelt haben. Aber ein Fläschchen Cava in einer netten Tapasbar in Gibraltar, das muss natürlich sein!


Allzulange bleiben wir nicht hier. Nur ein paar Tage, um zum Beispiel die Lemuren in dem sactuary in der Nähe der Seilbahn zu besuchen, die damals Paten für unsere ersten Stofftiere dieser Welt standen.



Ein letztes Mal wird die Pami nun für eine Ozeanüberquerung präpariert. Wir sind dem finalen Ziel jetzt sehr nahe: Schon 2017, als wir drei Monate auf den Kanaren verbracht haben, haben wir überlegt uns hier, nach der Reise, dauerhaft niederzulassen. Warum? Na, perfektes Klima, Europa, mit Spanisch, Englisch und Deutsch die Sprachen die wir wollen und nicht zu groß und nicht zu ländlich. Außerdem können wir erst mal auf der Pami wohnen bleiben, um zu sehen ob es für uns hier wirklich funktioniert.
Aber zurück zu unserer letzten Ozeanquerung. Es ist natürlich nur eine ganz kleine, dafür aber mit sehr ungewohntem Gefahrenpotential: Um auf die Kanaren zu kommen, müssen wir durch das Gebiet der Orca-Attacken!
Seit Monaten informieren wir uns über die Aktionen dieser gewaltigen Tiere und wie man sich schützen kann. (Einzelne Orcaschulen demolieren seit ein paar Jahren Boote in der Straße von Gibraltar. Es sind auch schon Segelyachten versenkt worden.)
Unsere wichtigste Strategie besteht in der Routenplanung: auf schnellstem Weg zur afrikanischen Küste und dann immer schön dicht unter Land bleiben, denn ins flache Wasser kommen sie nicht so gerne.
Die Rechnung geht auf, keiner der gefürchteten Unterwasserbesucher lässt sich blicken. War auch unwahrscheinlich, da die letzten Sichtungen weit nördlich in der Biscaya waren. Allerdings meckert uns der Hafenmeister von Tanga noch über Funk an, weil wir durch seinen stark befahrenen Bereich kommen. Damit können wir aber gut leben – gegen die Straße von Singapur ist das hier ein Kindergeburtstag.

Die letzten vier Tage auf See laufen bestens. Knackiger Wind lässt uns die 713 nm ruppig aber super schnell abreißen. Müde und sehr zufrieden mit der Performance von Boot und Crew, erreichen wir am 4. September Santa Cruz de Tenerife.
Die große Reise der JaJapami ist beendet. Wir sind angekommen und wollen hier auch gerne bleiben.
Ein Abenteuer geht zu Ende, während das nächste schon beginnt! Ein neues Leben wartet auf uns, auf den Inseln des ewigen Frühlings.

Post scriptum:
Unsere neue Kurslinie ist noch nicht genau gesteckt, aber wir arbeiten daran!
Die Reise des „großen Schiffs mit kleinen Jungs“ ist zu Ende – und ehrlich gesagt, sind die Jungs ja auch gar nicht mehr klein – aber einem Wiedersehen steht nichts im Wege! Ihr wisst ja jetzt wo ihr uns finden könnt!
Kommt vorbei! Schreibt einen Abschiedskommentar zu unserem Blog! Lest mein Buch, wenn es dann irgendwann fertig geschrieben und veröffentlicht ist!
Wir würden uns sehr freuen, zum Abschied noch einmal von Euch allen zu hören! …und vielleicht gibt es ja auch eine Fortsetzung? Wer weiß!
Herzlichst,
Eure Jajapamis
p.p.s.: In der Yacht ist ein größere Artikel über uns erschienen! In Ausgabe 24 könnt ihr ein Interview mit uns, über die JaJapami, ihren Antrieb und unsere Reise lesen.

Hallo ihr Lieben,
erstmal herzlichen Glückwunsch zur Weltumsegelung! Schön dass euer Elektroantrieb nicht im Roten Meer ausgefallen ist! Aber die Pami ist ja ein Segelboot, und ihr habt gezeigt, dass es auch ohne geht 😎.
Unsere Iolani ist seit April 2024 wieder zurück in Sydney und wartet auf neue Abenteuer. Zwischen hier und Cairns haben wir jetzt wirklich alles gesehen, da müssen wir uns was Neues überlegen. Aber erstmal genießen wir die Zeit an Land!
Wie habt ihr denn den Umstieg zum Landleben verkraftet? Krasser Kontrast für die Jungs, im Klassenzimmer zu sitzen oder? Seid ihr jetzt auf Teneriffa? Wie gefällt es euch? Was macht ihr mit eurer neuen Freizeit, nachdem ihr jetzt nicht mehr unterrichten müsst? Vielleicht gibt es ja Material für einen neuen Blogeintrag 😉.
Liebe Grüße aus Sydney,
Matthias
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