
Symi, die Schöne, haben wir früher, in unseren Zeiten als Chartersegler, immer so geliebt! Auch heute ist es fantastisch, wie dieses malerische, pastellfarbene Städtchen, tief eingekuschelt in die sonst so karge Insel, beim Näherkommen langsam sichtbar wird.

Allerdings werden wir erst mal ordentlich durchgepustet, bevor wir den sicheren Hafen erreichen! Fast 30 Knoten lassen uns durch die schmale Durchfahrt der vorgelagerten Inseln schießen wie ein Sektkorken aus der Flasche, und ich wage kaum die oberen Deckskissen loszulassen, aus Angst, dass sie über Bord gepustet werden.

Der Puls ist also schon leicht erhöht beim Einlaufen. Nicht nur wegen viel Wind, sondern auch in Gedenken an frühere Manöver und Ankersalat, die wir in diesem Hafen zu sehen bekommen haben. Damals haben alle Schiffe ihre Anker in der Mitte des Hafenbeckens versenkt um sich dann, Heck voraus, ringsum an der kreisförmigen Hafenmole zu vertäuen. (Römisch-katholisch-Anlegen nennen wir das, in anderen Teilen der Welt sagt man Mediterran-Anlegen.)
Heute soll es Mooringbojen in der Mitte geben, um besagten Ankersalat zu vermeiden, und man soll 20 m Leine parat haben. Alles klar. Wird trotzdem bestimmt ein riesen Spaß bei dem Wind!
Ein schlecht gelaunter Hafenmeister im Dinghi weißt uns ein und bindet die Leine so an die Mooring, dass nur noch 10 von den 20 Metern übrig bleiben. Das haben wir erst beim Ablegen gesehen, warum, er das so gemacht hat, wissen wir nicht. Während ich verzweifelt versuche unter vollem Zug diese Leine zu verlängern, muss JD Achtern mit dem Marinero an Land diskutieren, dass er erst mal luvseitig und nicht leeseitig festmachen soll. Der tut es trotzdem nicht und der Wind drückt uns seitlich aufs Nachbarboot – großes Palaver – zum Glück sind die Jungs mit Fendern parat. Tolles Manöver…
Irgendwie kriegen wir es dann doch noch ohne Schrammen hin, aber ich habe einen blauen Fingernagel und JD ein paar graue Haare mehr…
Heute sind also wir mal die Hauptakteure des hiesigen Hafenkinos. Da möchte man gerne ein Schild hochhalten: „Wir sind Weltumsegler, wir können das eigentlich! Die Anderen waren schuld!“ Na ja.
Symi hat sich auf jeden Fall kaum verändert. Um in die EU einzuklarieren nehmen wir mal lieber eine Agentin und das immerhin, klappt auch wunderbar.




Wir schnaufen zwei Nächte durch, starten einen längeren Trip in die Oberstadt, genießen das griechische Essen und kaufen uns einen richtig großen Basilikum im Topf. Dann geht es weiter durch die griechischen Inseln Richtung Italien.





Von Symi nach Tilos, Astipalaia, Livadi, zwischen Paros und Naxos durch nach Syros, dann Kythnos und Kea und von dort zum Festland nach Kap Sounio. In Athen treffen wir uns mit Freunden: das griechische Pärchen ist mit uns durch Asien gesegelt und gerade auf Heimaturlaub, während ihr Boot, SY Filizi, noch in Thailand weilt.
Auch SY Mollie ist hier und wir treffen uns mal wieder mit Lyall zum plaudern und Routen besprechen.

Noch ein kurzer Stopp in Aegina und dann, zwischen den Inselchen Johannes und Thomas durch, zum Kanal von Korinth.

Wir machen uns jetzt schon ein Weilchen sorgen um unseren Antrieb. Die Backbordseite ist schon seit kurz nach der Reparatur in Australien in Sydney laut geworden und natürlich wird so etwas niemals von alleine besser, auch wenn man es noch so sehr zu ignorieren versucht! Lager- und/oder Getriebeschaden lässt uns die Erfahrung und Akustik vermuten. Immerhin blieb das Geräusch über die vielen tausend Meilen unter Motor bis nach Griechenland unverändert.
Klar haben wir diesen Motor so gut wie möglich geschont, aber wenn man unsere Route der letzten zehn Monate rekapituliert, wird klar wie groß die Belastung war!
Monatelang durch das windlose, südliche Asien, dann das super anstrengende Rote Meer mit seinen extremen Belastungen und on top der Suez Kanal, durch den man selbstverständlich nur unter Motor durchfahren darf. So ganz neutral kann ich schon verstehen, dass man da als Motor nur die Grätsche machen kann, aber für uns hier an Bord ist es wie eine tickende Bombe, die wir da mit uns rumschippern. Halte bitte durch bis wir in Spanien sind! Da ist die Werft, zu der wir wollen!
Als wäre das nicht schon schlimm genug, lässt auch Steuerbord, nach schwerem Wetter bei Astipalaia, soundmäßig Böses vermuten! Und ausgerechnet jetzt haben wir diesen verflixten Kanal von Korinth vor der Nase! Es hilft alles nichts – wir schlafen noch einmal vor dem Eingang und dann geht es hindurch!

Tatsächlich sieht dieser große, menschengemachte Graben bezaubernd aus! Ich kann jetzt gut verstehen, warum viele Leute hierher einen Tagesausflug machen! Die Farben sind ganz wunderbar und die tiefe Schlucht beeindruckend. Auch über uns lässt sich noch ein Bungeejumper fallen.



Wäre wirklich toll, wenn wir nicht so nervös wären, ob unsere Motoren das noch mitmachen. Es hilft auch nicht wirklich, das der Kanalmeister pausenlos über Funk drängelt: „JaJapami go faster! Can’t you go faster? People are waiting…“


Nach der sich ziehenden Zeit sind wir endlich durch, worauf sich gleich hinter uns die Brücke schließt und die wartenden Autos losfahren können.

Auch das hätten wir also geschafft und die Aegeis liegt nun hinter uns!

Mehr motoren wollen wir jetzt wirklich nicht und da kein Wind weht, gehen wir erstmal an der Mole von Korinth längsseits, bis am nächsten Morgen wieder die Segel gesetzt werden können.
Vier mal schlafen wir im Golf von Korinth, dann öffnet sich das Mittelmeer wieder und wir steuern unsere letzte griechische Insel an: Kefalonia.
Bevor wir dort ankommen, warnt uns das Schicksal aber noch mal mit dem Holzhammer vor dem, was uns dräut! Bei der Einfahrt in die letzte Schlafbucht im Golf, tut es auf einmal einen merkwürdigen, dumpfen Schlag unterm Boot und der Backbordmotor steht still.
JD und ich sehen uns nur schweigend an: „Bitte nicht hier! Bitte, bitte lass es eine Mülltüte oder ein alter Tampen sein!“ sagt die Gedankenblase über unser beider Köpfe…
Nervös schmeißen wir den Anker und dann bin ich, so schnell ich die Maske aufsetzen kann, unterm Boot: Noch nie habe ich mich über einen alten Plastiksack so sehr gefreut wie hier!! Und so stabil er auch ist, er lässt sich auch noch ganz leicht vom Propeller wieder abziehen. Für jetzt sind wir noch mal davon gekommen…

In Kefalonia dürfen wir dann noch einmal gründlich ausspannen, bevor es auf nach Sizilien geht. Der Anker fällt zufällig neben einem Schwesterschiff der Pami, mit deutschen Eignern. Klar hatten wir von dem jeweils anderen schon gehört und natürlich verbringen wir den Abend gemeinsam in der Taverne an Land!

So verlassen wir denn Griechenland am nächsten Morgen leicht angekatert, aber dennoch guten Mutes und setzen Segeln gen Italien. Ob wir durch die Straße von Messina nach Norden, oder untenrum nach Süden gehen, werden wir den Wind entscheiden lassen. Gut 250 nm liegen vor uns, da hat das ja noch ein bisschen Zeit!
Ach ja, das verflixte Klo will auch noch in den Blog…


Und dann noch ein wissenschaftliches Experiment: Klokalk und Gummiproben in Essig, Zitronensäure und Gebissreiniger. Der basische Gebissreiniger versagt völlig. 5% Essig und recht hochkonzentrierte Zitronensäure lösen Kalk und Schmodder über Nacht etwa gleich gut, aber der Essig greift die Gummiprobe stärker an. Fazit: Zitronensäure aus Granulat angerührt, löst die Verstopfung am besten und schont dabei die Gummiventile.
