
Nach fast sieben Jahren sind wir wieder in bekanntem Terrain. Hier sind wir schon gesegelt, lange bevor die Jungs geboren wurden. Nur Charter im Sommerurlaub natürlich, aber es fühlt sich alles so vertraut an! Die bergigen Küsten mit ihren in die Täler gebetteten Dörfern, der Geruch nach Kiefern in der Mittagssonne und das glasklare Wasser wecken viele Erinnerungen.

Wir verbringen die Nacht in der Nähe von Kemer am Anker und genießen die Umgebung – bis wir damit anfangen, die Marinas Richtung Antalya anzurufen. Wir wurden gewarnt, konnten es aber nie so recht glauben: Eine Nacht in Kemer Marina, um einzuklarieren und einzukaufen: 350 Euro. Peng! Das gibts doch gar nicht! Nicht mal die Whit Sundays in Australien waren so teuer! Näher an Antalya soll es 5500 Euro für 14 Tage kosten! Was haben die denn bitte schön geraucht? Und einen Liegeplatz hätten sie sowieso nicht, alles ausgebucht.
Dann also erst mal Ankern. Direkt vor dem Strand und der Marina. Ich rufe wieder dort an und der Muffkopf am anderen Ende gibt mir immerhin die Nummer von einem Agenten vor Ort um die Bürokratie in Angriff zu nehmen. Dieser ist dann auch sehr nett, versteht warum wir vor der Haustür rumankern statt reinzukommen und verspricht, gleich mit dem Boot zu uns zu kommen. Das klappt alles und während er mit unseren Papieren unterwegs ist, überlegen wir wie es weitergehen kann.
JD hat nämlich vor ein paar Tagen günstige Flüge nach Deutschland gefunden und gleich gebucht. Aber was können wir mit der Pami solange machen, wenn Marinaplätze, egal zu welchem Preis, Nähe Antalya nicht zur Verfügung stehen? Einfach alleine am Anker hängen lassen? Mhhh…
Mir fällt Peter ein. Der wollte eigentlich in Ägypten als Crew zusteigen. Das hat aber nicht geklappt und jetzt müsste er auch in der Türkei sein. Für das, was folgen soll sind unsere ersten paar WhatsApp-Sätze ziemlich rudimentär: „Kannst du 10 Tage die Pami sitten während wir in Deutschland sind?“ „Würde gerne helfen, überlege es mir.“ 2 h später: „Okay, kann übermorgen da sein.“ Wow, auf die Community der Weltreisenden ist halt doch Verlass!
Peter ist Amerikaner und radelt gerade aus dem Nahen Osten nach Spanien. Persönlich getroffen haben wir uns noch nicht, aber vor Ägypten viel gechattet und telefoniert. Wir wollten ihn damals auch nur an Bord nehmen um ihm zu helfen (nicht viele Boote können und wollen ein Fahrrad mitnehmen), Crew hätten wir gar nicht gebraucht. Auch deshalb zögert er jetzt nicht, sich sofort auf den Weg zu uns zu machen.

Während wir einklarieren zeigt sich Kemer nicht gerade von seiner Schokoladenseite. „Teuer“ und „unfreundlich“ wird uns im Gedächtnis bleiben. Einzig unser Agent und der nette Inhaber eines schönen Restaurants gleich oben über dem Agentenbüro sind und bleiben freundlich. Unser Agent versichert uns am Ende dieser dreistündigen Prozedur (350 Euro für die Agentendienste und 150 Euro für die Behörden), dass wir den Liegeplatz für das Dinghi nicht auch noch extra bezahlen müssen.
Da ist der Hafenmeister aber anderer Meinung! 50 Euro, weil wir über zwei Stunden da waren und daher einen vollen Tagessatz zahlen müssen! Na danke!
Das war aber erst der Auftakt zu dem Wahnsinn, der uns erwartet, als wir abreisen wollen! Morgens schaut die Küstenwache vorbei: Die Papiere bitte! Kein Problem, allerdings steht Peter nicht auf der Crewliste. Das müssen wir noch ändern. Macht auch Sinn und sollte kein Problem sein.
Wieder beim Agent erwartet uns allerdings eine böse Überraschung: Wenn wir das Boot am Anker verlassen, muss ein notariell beglaubigter Vertrag her mit einem Skipper mit Lizenz, um an Bord die Verantwortung zu übernehmen. Das ist heftig und uns, in der Form, noch nicht untergekommen. Der Agent hatte davon offensichtlich bislang auch noch keine Ahnung, denn am Abend zuvor hat er noch mit uns allen angestoßen und fand unseren Heimreiseplan ohne Vorbehalte gut.
Zum Glück haben wir noch ein As im Ärmel: Peter war US Navy Decksoffizier auf einem Flugzeugträger und hat das auch schriftlich. Da machen Alle große Augen, und es genügt dem Hafenmeister! Also auf zum nächsten Notar, unglaublichen und sehr teuren bürokratischen Aufwand betreiben, und dann sind wir frei zu fliegen!
Ich habe das sehr kurz und flapsig geschrieben, es war aber eigentlich total nervenaufreibend und ätzend!
Nur ein paar Stunden später sind wir schon in Antalya und am nächsten Morgen in Deutschland. Für die Jungs und JD das erste Mal seit sechs Jahren!
Peter hat eine gute Zeit an Bord, bis auf den Tag als ein kleines Sturmtief über die Bucht fegt. Die Pami schaukelt am Anker so heftig, das er seekrank wird! Wir telefonieren während dessen natürlich, stecken gemeinsam mehr Kette und vergewissern uns, das Peter und Pami alles heil überstehen. Leider denkt niemand an das Dinghi. Das hängt längsseits mit zwei Leinen am Boot und wird natürlich auch ordentlich durchgeschüttelt! Er bemerkt später zwar, dass Wasser im Beiboot steht, vermutet den Ursprung aber in überkommenden Wellen. Verständlich, und weil er selbst nur mit dem Kayak an Land fährt, fällt das Leck erst auf, als er uns um zwei Uhr morgens am Hafen abholt!
Da wir nichts ahnen und den Schaden auch nicht so schnell überblicken können, saufen wir tatsächlich fast ab! Wir schaffen es so gerade mit zwei Eimern genug rauszupützen, dass wir die Pami erreichen ohne das die Batterie unter Wasser gerät. Außer nassen Füßen und viel Stress ist nichts passiert. Selbst das Gepäck ist trocken geblieben. Man man man.
Erst Tage später, als wir Gelegenheit haben alles zu inspizieren, wird uns klar was passiert sein muss: der Heckfestmacher vom Dinghi war zu lang und hat sich, im Sturm, um den Schlauch gewickelt. Dadurch wurde bei jedem Ruck der Schlauch vom Aluminiumrumpf weggezerrt. Ein zwei Zentimeter breiter Spalt war die Folge und da ist natürlich eine Menge Wasser reingeflossenen! Das da die eingebaute, automatische Lenzpumpe bald den Geist aufgegeben hat, ist nun auch völlig klar.
Es gelingt uns das Gröbste vom Kayak aus mit Sikaflex zuzuspachteln. Eine Woche später, als die Pami in einem Hafen so günstig liegt, dass Dinghi über dem Pier schwebt, kann ich mich auf dem Rücken darunter quetschen und alles abdichten. Glück gehabt, der Schaden ist vorerst behoben!

Wie Deutschland war, nach so langer Zeit? Wunderbar! Wir hatten herrliche Frühsommertage und konnten viele unserer Lieben treffen, wenn auch nicht alle. Natürlich gab es Veränderungen, aber wahrlich nicht so viele, wie man vermuten würde.
Wenn wir wollen, können wir sicherlich problemlos in unser altes Leben zurückschlüpfen. Was wir tatsächlich vorhaben, verrate ich hier aber noch nicht! Es soll ja noch ein bisschen spannend bleiben!






