Der Suez Kanal

Der Suez Kanal Yacht Club ist keine Marina, sondern nur ein Bojenfeld an dem man vor der ersten Kanaletappe die Nacht verbringen kann. An Land kommen wir nicht. Wir klarieren hier mit Hilfe unseres Agenten in Ägypten ein, damit Marco von Bord gehen darf. Anders geht ein Crewwechsel nicht, auch wenn das Einklarieren für die Kanaldurchfahrt eigentlich nicht nötig wäre.

SY Mollie ist auch schon da und wir machen gemeinsam das x-te Abschiedsdinner auf der Pami. Diesmal aber ernsthaft, denn selbst wenn wir uns im Mittelmeer wieder begegnen, werden die drei Crew nicht mehr an Bord sein.

Marco geht in dickem Sandnebel von Bord.

Früh um sechs am nächsten Morgen kommen die jeweiligen Lotsen auf unseren Booten an und es werden zügig alle Leinen losgeworfen. Aber noch bevor wir so richtig losgefahren sind, werden wir auch schon wieder zurück gepfiffen! Sandsturm! Oder besser: Sandnebel, denn es stürmt überhaupt nicht, höchsten eine laue Brise ist zu fühlen. Die Sicht ist allerdings wirklich höchst bescheiden. Wie gelber Mehlstaub wabert feinster Sand durch die Luft und legt sich auf alles was nicht fest verschlossen ist.

Mollie beim ersten Startversuch

Wir machen wieder fest und unsere Lotsen werden wieder in den kleinen Booten an Land gebracht. Wann es weitergeht ist ungewiss, zwei Stunden oder Morgen – Inschallah…

Tatsächlich sind es nur drei Stunden, dann kann es doch noch losgehen! Segeln dürfen wir im Kanal natürlich nicht, also motoren wir gemächlich durch die Wüste. Die Sicht bessert sich langsam, das ist uns aber Wurscht, da es nichts zu sehen gibt. Rechts Sand, links Sand, ab und zu ein Frachter oder ein Gebäude.

Unser ausgesprochen netter Lotse zeigt uns die Stelle, wo 2022 der Evergreen-Frachter Evergrande quergelaufen und schließlich 50 m weiter im Ufer steckengeblieben war und den gesamten Verkehr lahmgelegt hat.

Erst im Dunklen um etwa 21 Uhr erreichen wir Ismailia Marina und werden erst einmal zur Tankstelle gelotst. Das Empfangskommitte ist zahlreicher als erwartet! Einige Marina-Mitarbeiter, die Dame aus dem Office und ein interessanter und interessierter Segler, den wir später noch näher kennen lernen werden, erwarten uns.

Nach dem Tanken geht’s es ab zum Liegeplatz und dann ist erst einmal verschnaufen angesagt! Es war ja alles ordentlich anstrengend bis hierher und wir waren auch seit Ewigkeiten nicht mehr alleine, ohne Crew, in unserem Zuhause! Wir genießen die Ruhe und den Wasserschlauch vom Pontoon – ich wasche einfach alles was mir unter die Finger kommt: Pami, Wäsche, Kinder, Dinghi… Sand und Salz fliessen in Strömen ins Meer!

Bei unserem Agenten fragen wir nach Möglichkeiten und Preis für eine Besichtigung der Pyramiden und schlackern mit den Ohren, bei dem was er so aufruft: 350 Euro für den Tagesausflug will er haben! Einklariert sind wir bereits, eVisa organisiert JD selbstständig und trotzdem lassen wir das lieber sein, mit dem Gefühl sonst ordentlich über den Tisch gezogen zu werden. Ägypten ist für uns eine einzige Abzocke. Allerdings fragt keiner der Beamten oder anderen Offiziellen, die wir treffen, nach Bahkshis, ganz im Gegenteil wurde direkt gesagt, dass von uns keinerlei Gebühren oder Geld erwartet würden! Der Agent hat ja schon dafür kassiert. Das ist schon ein gewaltiger Fortschritt!

Einen einzigen Tag gönnen wir uns außerhalb der Marina, diesem Transitterminal am Wasser, der wie ein Bollwerk illegale Ein- und Auswanderung verhindert und legale aufs Umständlichste erschwert, gehen einkaufen und machen einen langen Spaziergang um Land und Leute zu sehen. Unser Agent berechnet uns für den Papierkram (eine A4 Seite mit der Crewliste) 200 Euro.

Zum Feierabend kommt man an der Hauptallee zusammen.

Um fair zu bleiben muss erwähnt werden, dass diese brandneue Marina an sich super ist. Vor einem Jahr noch, konnte man sich hier nur an ein paar Felsen vertäuen und jetzt ist alles da, was sich der Segler wünscht! Danke an das super Marinateam an dieser Stelle.

Bevor es weitergeht, ereilt uns noch einer dieser Tage, wo einfach alles schiefgeht!

Es fängt noch harmlos mit einem verstopften Küchenwaschbecken an. Eine Weile beherzt gepümpelt und es läuft wieder – das war einfach. Dann geht die Duschpumpe nicht mehr. Lässt sich manuell überbrücken, aber ein neuer Sensor muss irgendwann bestellt werden. Ärgerlich! Der Download der neuen Seekarten klappt nicht und kostet JD Stunden entnervender Computerarbeit. Auch die Spülmaschine pumpt nicht ab und will per Hand trocken gelegt werden. Das war allerdings meine Schuld und kommt wohl nicht wieder vor.

Alles Kleinigkeiten, aber wir haben bis zum Nachmittag keine ruhige Minute und sind entsprechend gelaunt. Und dann gehts erst richtig los! Alarmgepipe, knisternde Geräusche aus dem Motorraum und höchst ungesunder Brandgeruch!!! JD reist den Deckel hoch und eine dicke Rauchwolke steigt auf – kein Feuer, aber tanzende Funken und Geknister von Kurzschlüssen oder was auch immer, kommen aus dem Masterinverter! Beherzt schmeißt er sich auf die Knie, langt nach unten und knipst den Hauptschalter aus. Dann ist Ruhe. Der Rauch verzieht sich, ich erwache aus meiner Schockstarre und unser Nachbar erreicht uns mit dem Feuerlöscher in der Hand. Den herbeieilenden Marinamitarbeitern können wir Entwarnung signalisieren und uns wieder sammeln. Wie ist das denn bloß passiert? Und was machen wir jetzt?

Die zwei Inverter sorgen für den 220 V Strom an Bord, 12 V funktioniert auch ohne. Das heißt Kühlschränke und Navigation laufen weiter, aber Herd, Kaffeemaschine und Steckdosen sind tot.

Batteriebank, der runde, blaue ist der Motor, rechts und links die geöffneten blauen Inverter

Nur etwa 24 Stunden braucht JD, bis es gelungen ist den kaputten Masterinverter abzunabeln und alles über den Zweiten laufen zu lassen. Alles läuft wieder normal und für Ersatz können wir in Europa sorgen. Großer Mist, aber es kann weitergehen! Gottseidank.

Auch die zweite Hälfte des Kanals wird ein recht mühsames Dahinmotoren. Wir sind fast den ganzen Tag unterwegs. Zum Glück ist auch unsere zweiter Lotse ein netter und unterhaltsamer Zeitgenosse, der auf halbem Weg seine Station und Unterkunft hat. Er ruft Freunde an, als wir vorbeikommen und wir bekommen tolle Fotos von der Pami im Suez Kanal.

Die Station unseres Lotsen
JaJapami im Suezkanal

Gegen 18 Uhr erreichen wir endlich das Ende und der Lotse wird von seinen Kollegen äußerst professionell von Bord gelupft.

Danach sind wir frei und machen uns voller Vorfreude auf den Weg ins Mittelmeer! Allerdings passiert uns erst noch ein kleiner Faux pas… Die Segel sind oben, Kurs Antalya liegt an und – hups! da steht ja eine Mauer im Meer! Direkt voraus! Ruder hard steuerbord und bitte ein mal um diese verlängerte Kaymauer drumrum navigieren! Das hätte man auch auf der Seekarte sehen können… Nun ja, da hat uns der Stalldrang wohl etwas übermütig werden lassen. Ist ja nichts passiert.

Zwei Tage später, um kurz vor Mitternacht, fällt der Anker nahe Kemer in der Türkei. Wir haben es geschafft und sind zurück im Mittelmeer! Es riecht vertraut nach Kiefern und trockenem Gras, einfach wunderbar.

Ein Kommentar zu „Der Suez Kanal

  1. Moin vom Wasser in Hamburg.
    Herzlich willkommen in Europa. Prof. Köster erzählte, das er Euch im Pegasos getroffen hat. Auf Wohnungssuche?🥹Dürft Ihr schon über weitergehende Pläne reden? Man kann sich kaum vorstellen, dass Düsseldorf eine Perspektive hat.
    Weiterhin eine gute Zeit und bleibt gesund.

    Eure Rolf und Gerhild Bickelmann

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