
So ganz entspannt macht sich dieser Tage wohl kein Segler auf den Weg ins Rote Meer. Von Indien aus, vorbei an Somalia und Yemen, bis Djibuti. Rein seglerisch soll es eine Traumstrecke mit guten Winden und ruhiger See sein, aber Huthis und Piraten sind nunmal keine vertrauenerweckenden Nachbarn…
Wir haben mit Amrutha, Sreenath und Tomas tolle und erfahrene Crew und sind Ende Februar bereit uns dem Treck der Yachten anzuschließen, die von Sri Lanka, Indien und den Malediven aus aufbrechen. Es sind tatsächlich gar nicht so wenige! Dafür das es in sämtlichen Foren, seit Monaten heiß her ging, ob man es auch dieses Jahr wagen kann durchs Rote Meer zu segeln, sind dann doch viele bereit das Risiko einzugehen.
Bevor es für uns aber überhaupt losgehen kann, müssen wir erst einmal den Kampf mit der indischen Immigration überstehen! Uns und Tomas machen sie keine Schwierigkeiten, aber ihre eigenen Leute, die wollen sie nicht so ohne weiteres ziehen lassen.
Am 27. Februar schmeißen wir morgens in der Marina die Leinen los und ankern wenig später vor den Behörden. Alle Mann ins Dinghi und erstmal zum Zoll und zum Hafenmeister. Es dauert. Natürlich. Aber schließlich können wir zur Immigration um endgültig auszuklarieren.
Das denke ich zumindest bis Amru und Sree zu einem privaten Gesprächt mit der Chefin in ihrem Büro verschwinden. Sie hatten schon vermutet, dass sie als Inder, deutlich mehr mit Formalitäten zu kämpfen hätten als wir, aber was folgte war dann doch unerwartet:
Wir brauchen drei Anläufe und müssen noch zweimal zurück in die Marina zum Übernachten, bis wir endgültig alle Mann ausklariert sind!
Schlussendlich organisiert ein Freund im Reisebüro stornierbare Flugtickets und Hotelreservierungen für Djibouti, für Amru und Sreenath. Damit können eVisa für die Einreise mit dem Flugzeug beantragt werden, die tatsächlich in der Rekordzeit von vier Stunden bestätigt werden. Grund genug für Amru einen kleinen Freudentanz aufzuführen!

Siegessicher kehren wir am nächsten Morgen zur Immigration zurück und tatsächlich, beim 3. Versuch können wir endlich alle Sieben ausklarieren!
Die Crew von Mollie, unserm Nachbarsegler, ist auch im Büro. Sie versuchen schon seit gestern abzulegen, aber ihre Port Clearence ist auf mysteriöse Weise verschwunden! Unfassbar: auch unsere Port Clearence ist plötzlich nicht mehr auffindbar! Was treiben die denn da bloß mit ihren Bergen von Akten im Büro?

Schließlich zaubert irgendwer die Kaninchen wieder aus dem Hut und endlich sind wir draußen! Es kann losgehen zu unserer letzten, großen Ozeanpassage!
2050 nautische Meilen, die weitestgehend unspektakulär verlaufen. Langsam sind wir. Kein Wind. Wären wir wie geplant losgekommen, hätten wir Wind gehabt. Seufz.

In den ersten Tagen ankern wir noch zweimal für die Nacht und während der totalen Flaute, schalten wir einfach Nachmittags die Motoren ab und gehen Schwimmen.


Morgens finde ich meine Crew überall verstreut, schlafend auf den neuen Kissen. Es ist wie Ostereier suchen. Warum? Es ist kühler und luftiger und einfach schön, so direkt unter den Sternen. Erst in der zweiten Woche werden die Kabinen für die Nacht genutzt.


Wir angeln eine wunderbare Gelbschwanzmakrele, genug für drei Mahlzeiten, Essen wie immer hervorragend (abwechselnd indisch und italienisch) und nicht mal Michel wird Seekrank.

Spinner Delfine und Große Tümmler beehren uns und eines Morgens taucht ein kapitaler Buckelwal keine 100 m weit querab auf! Er schnauft und bläst ein paar Minuten an der Oberfläche, dann taucht er ab und präsentiert noch einmal, auf diese wunderbare Art, seine Schwanzflosse. Großartig!
Wir sehen nichts ungewöhnliches auf der gesamten Fahrt. Tatsächlich ist es total einsam auf unserer nördlichen Route. Keine Fischer und sehr wenige Frachter. Unsere Kollegen weiter südlich müssen sich durch ganze Rudel von Fischern kämpfen, es kommt sogar zu einer Kollision – Die Armen!
Die Route hat unser Käptn auf jeden Fall gut gewählt.

Schließlich kommt Djibouti in Sicht. Wir laufen entspannt am Vormittag ein und ankern neben Mollie, unseren Nachbarn aus Kochi und 11 weiteren Seglern. Das Einklarieren geht schnell und entspannt und natürlich kriegen Amru und Sree ihr Visum genauso schnell in den Pass geklebt wie wir, die so mühsam erworbenen eVisa können ungenutzt in die Tonne…


In Djibouti ist nicht viel los. Der Ramadan hat gerade begonnen und tagsüber sind nur wenig Menschen auf den Straßen. In der nahen Mall ist ein gut sortierter, französischer Supermarkt, sonst gibt es fussläufig nichts weiter zu erkunden. Die Atmosphäre ist oberflächlich locker, man sieht Burka Trägerinnen neben leicht bekleideten Französinnen und keiner schert sich drum, aber einige Männer werden doch schnell aggressiv und schreien rum. Die Abzocke gegenüber uns Weißnasen ist, wie erwartet, frech und unangenehm. Wie wollen am liebsten gar nicht mehr Taxi fahren… Zum Glück ist Ahssan Phoenix, unser Agent, ein guter Mann der alles fest im Griff hat.
Es ist deutlich kühler und angenehmer als in Kochi, aber immer noch zu heiß um sich länger auf den staubigen Strassen aufzuhalten. Wir bleiben lieber an Bord und laden die Nachbarn auf einen Schnack ein.
Mit uns sind fünf deutsche Boote hier, dazu noch zwei Holländer, Polen, Kiwis und zwei weiß ich nicht. Wenn die Vorhersage stabil bleibt, machen sich die meisten mit uns nächste Woche auf, um das kommende Wetterfenster nach Norden zu nutzen. Wir hoffen auf guten Wind um schnell nach Jeddah durchzukommen! Drückt uns die Daumen!

