
Durch die Staße von Malakka zu cruisen gehört sicherlich nicht zu den Dingen, die ein Segler in seinem Leben getan haben muss.
Das Wasser ist meist schmutzig braun mit vielen Quallen und voller Fischer, Netze und Lobsterfallen. Man muss ständig aufpassen, nicht irgendwo reinzufahren und auf Nachtfahrten haben wir daher verzichtet.

Es gibt auch viel Gemunkel über Piraterie in dieser Gegend, aber das muss eindeutig relativiert werden: was wohl öfter vorkommt sind Diebstähle auf Frachtern. Das heißt die „Piraten“ klettern heimlich auf die großen Pötte und versuchen Dinge von Wert, wie Stahl oder Labtops zu klauen. Eine Gefahr für Segler wie uns, stellt das eigentlich nicht dar.
Vierzehn Stopps machen wir in Malaysia.
Puteri Harbour, gleich neben Singapur ist der Erste. Das Einklarieren geht hier schnell und einfach und fussläufig von der Marina gibt es zwei gute Supermärkte. Den Mechaniker Leong können wir ebenso besonders empfehlen, wie das indische Restaurant Spice vis a vis. Wir sind während Dipawali, dem indischen Lichterfest hier, was eine nette Abwechselung bietet und für mich spontan in einem muslimisch-indischen, Sumba-ählichem Frauentanzevent endet. Der Muskelkater am nächsten Tag ist nicht von schlechten Eltern und wie die Damen das mit all den Schleiern, Kleidern, Kopftüchern und Klimbim gemeistert haben…. Uiuiui! Bemerkenswert!


Pulau Pisang ist ein guter Ankerplatz für die Nacht.
Semerah: Da setzt meine Erinnerung gerade aus…
Melaka ist wohl gar nicht die Stadt, nach der die Straße von Malakka benannt ist. Das finden wir aber erst viel später heraus und wundern uns bis dahin, über die so unterschiedlichen Schreibweisen….
Wir ankern draußen, vor der Stadt und können das Dinghi in der alten, halb verfallenen Marina vertäuen. Fussläufig von hier ist das touristische Zentrum mit dem Night Market und Klein Amsterdam. Hübsch hier und sehr farbenfroh!


Port Dickson: Nette Marina, toller Pool. Sonst nichts. Wir bleiben nur eine Nacht.
Port Klang ist ein riesiger Containerverladehafen. Wir ankern sicher für die Nacht, zwischen Lotsenbooten und Schleppern, würden die Pami aber hier nicht alleine lassen.
Sekinchan ist vielleicht der denkwürdigste Stopp auf diesem Tripp. Wir wollen zur Sicherheit noch ein bisschen mehr Diesel an Bord haben und sehen überall an Land Tankstellen. Also ankern wir die Pami kurzerhand vor dem Fischereihafen und fahren mit dem Dinghi auf Erkundungstour. Der Hafen ist… bemerkenswert. Fischerboote und Fischer und Fischabfälle, auch schon mal ne tote Ratte kieloben. Unsere kleine, deutsche Familie im Schlauchboot wird höchst erstaunt beguckt!

Wir wissen nicht so recht, wo und wie wir an Land kommen sollen, bis wir von der Plattform der Fischereiausrüstungsfirma freundlich zurückgegrüßt werden. Ob wir an ihrer Leiter festmachen und raufkommen dürfen?, signalisieren wir, „Klar!“, kommt es nonverbal zurück. Oben findet sich auch ein junger Mann, der genug Englisch spricht, um zu verstehen was wir brauchen. Es folgt freundliches Gemurmel auf Bahasa, ein Telefonat und die Aufforderung, das wir hier warten sollen. Der Chef fährt mit dem Auto davon und kommt einige Zeit später mit zwei Kanistern voll Diesel und der Rechnung von der Tankstelle zurück. Die Kanister hat er vorher noch bei seinem Neffen gegenüber organisiert und er will auf keinen Fall auch nur einen Cent mehr von uns annehmen, als auf der Rechnung steht! So nett und hilfsbereit sind die Fischer von Sekinchan! Bis ins Dinghi hiefen sie die Fracht und wir dürfen nicht mit anfassen. Das wird uns wohl unvergesslich bleiben.


Pulau Pangkor ist wirklich sehr schön. Wie schon viele Segler vor uns, bleiben auch wir hier für zwei Nächte und schnaufen einmal durch.

Es passiert erstaunlich viel in dieser kurzen Zeit! Wir lernen abends zwei nette, nicht mehr ganz junge Paare aus Indien kennen und kommen lange ins Plaudern. Da sie die Pami so gerne mal sehen würden, verabreden wir uns für den nächsten Vormittag am Strand. Ein Dinghidock gibt es nicht. Sie müssen also bis zum Oberschenkel ins Wasser waten und dann mehr oder weniger elegant, unter viel Gekicher untereinander, hinein klettern. Auch vom Dinghi auf die Pami und wieder zurück ist recht abenteuerlich! Dazwischen wird viel gestaunt und vorgeführt und wir bekommen tütenweise Obst geschenkt. Ein sehr netter und kurzweiliger Besuch! Und ein Kontakt für unseren Stopp in Kerala, Indien, denn von dort stammen sie eigentlich!



Die Einkaufstour ins nächste Städtchen zeigt uns, wie selbständig unsere Kücken mittlerweile sind! Sie bringen JD und mich mit dem Dinghi zum Strand und holen uns auch nachher wieder ab. Da wir uns ein bisschen verspäten und der Hunger kommt, kochen sie sich zwischenzeitlich eigenständig Nudeln mit Tomatensauce ohne Chaos anzurichten – da waren wir aber platt!
Für die nächst Geschichte muss ich kurz ausholen: In Malaysia sind an den Enden der Fischernetze Bojen mit kleinen Fähnchen und dazwischen kleine, weiße Schwimmer. Es gibt auch Lobster- oder Krabbenkäfige, die an den gleichen Fähnchen hängen, aber nur ein Tau nach unten haben. Manche Etappen waren regelrechtes Slalomfahren zwischen diesen Fähnchen und es ist mehr als einmal passiert, dass wir die kleinen weißen Netzschwimmer erst in letzter Sekunde gesehen haben und aus voller Fahr eine 90 Grad Kurve drehen mussten, um nicht da reinzubrettern!
In Pangkor am Anker, hat nun eine echte Klappfliege von Fischer sein Fähnchen so nahe an der Pami gesteckt, dass wir uns beim rumschwoien mit dem Ruder in der Leine verheddert haben! Wir kommen also abends von der Strandbar nach Hause und haben so ein Fähnchen klappernd am Heck hängen! Um uns zu befreien, müssen wir den ganzen Kladaradatsch an Bord holen und dann war das Fähnchen gar nicht mehr so klein! 1,50m rostiger Metallstab mit Schwimmern, Leinen und Grundanker, natürlich auch rostig.
Kaum sind wir frei, taucht das dazugehörige Fischerboot auf – vermutlich haben wir an den Leinen gezuppelt, wie ein Fisch am Haken. Wort und grußlos lässt er sich alles rüber auf sein Boot reichen und verschwindet wieder in der Nacht…
Und dann waren da noch die beiden Bielefelder Abiturienten, die JD abends auch noch kennengelernt hat. So herzlich wie er immer ist, hat er sie gleich auf die Pami eingeladen! Tatsächlich tauchen sie am nächsten morgen mit gepackten Rucksäcken am Strand auf und heuern an. Spontaner hatten wir selten Gäste an Bord und vor allem unsere Jungs freuen sich über Spielkameraden.
Pangkor Marina Island: Auch hier sind wir nur für eine Nacht, tanken und düsen weiter.
Talang: Unsere junge Crew revangiert sich für das Logis mit anstrengenden Putzarbeiten: Schimmel an der Cockpitdecke und hartnäckige Vulkanstaubflecken im Gelcoat. Alleine hätte ich dafür Tage gebraucht. Dafür können sie abends vom Boot aus zur Insel schwimmen. Mich hätten keine zehn Pferde in dieses quallengespickte Meer bekommen, aber sie fanden es toll!
Pinang Monkey Island: Eigentlich wollten wir unsere Crew bis Langkawi mitnehmen, aber wie rausstellt, gibt es Einreiseformalitäten, die dies untersagen. Monkey Island hat Strandbars, einen Campingplatz und Möglichkeiten zum weiterreisen für sie. So stoppen wir auch hier und haben einen lustigen Mittag mit den Affen dort. Zusammen mit dem Essen bekommt man Besenstiele ausgehändigt um die Racker vom Tisch fern zu halten – auch ne Lösung!



Pulau Song Song sehen wir auch nur vom Anker, aber was wir sehen, tut den Augen wohl.
Mit dem Langkawi Royal Yacht Club haben wir unser nächstes Etappenziel erreicht. Langkawi ist die große Insel vor Thailands Grenze und auch ein sehr schönes Fleckchen Erde. Auch hier schwimmen Warane in der Marina und es soll auch Otter geben, die uns aber leider nicht begegnen. Die Marina ist gut, wir können alles Salz abschütteln (die Jungs vor allem im Pool), relaxen und Thailand planen. Die Tage vergehen wie im Flug, während wir mal in die Stadt fahren, zu Fuß unterwegs sind, oder in der Marina rumwuseln.
Wir lernen verschiedenste Leute kennen und machen einen tollen Workshop zu Kaffeemalerei bei einer malayischen Künstlerin mit. Zu meiner Verblüffung ist das ein echtes Highlight für die Familie, JD war davon schon vorher überzeugt, und die Bilder sind ganz toll geworden!





Langkawi Telaga Marina: Schließlich wird es Zeit Richtung Thailand aufzubrechen. Nachdem wir uns versichert haben, dass wir auch im Norden ausklarieren können, geht es zum letzten Stopp in Malaysia: Telaga. Mittlerweile haben wir über FindAcrew zwei Kandidaten für den Tripp nach Indien gefunden und einer, Miguel, kommt zufällig, zeitgleich, auf einer thailändischen Nachbarinsel an. Spontan beschließen wir, dass er uns von Langkawi nach Phuket begleiten kann – und schwupp – schon ist er eingezogen. Wenn doch alles immer so einfach wäre! Ausklarieren ist es auf jeden Fall nicht: Bei der Immigration erfahren wir, dass der Harbour Master im Ruhestabd ist, ohne Ersatz, und das JD mit dem Taxi wieder zurück zum Royal Yacht Club nach Kuah im Süden muss, um Unterschrift und Stempel des dortigen Hafenmeisters zu bekommen. Wieso weiß und/oder sagt einem das keiner? Wir sind ja nun nicht die einzige Yacht, die von Langkawi nach Thailand will!
Immerhin ist der Papierkram bis mittags dann doch erledigt und wir können los.


Vor Covid gab es in Telaga übrigens noch einigermaßen viel Leben, Läden und Restaurants. Mittlerweile steht das meiste leer und wirkt verwahrlost. Auf der kleinen, künstlichen Insel finden wir ein Freizeitparadies mit Bars, Statuen und Hängematten fast völlig verweist vor. Wir sind die einzigen Gäste des Restaurants und machen den kleinen Ausflug hierher gleich an zwei Abenden.
Und damit schließt sich das Kapitel Malaysia auch schon wieder. Obwohl wir ein wenig hindurch gehetzt sind, haben wir doch viel erlebt und sehr nette Menschen kennengelernt!

Moin vom Golf von Siam,
wir sind nicht allzu weit von Euch auf einer Asienreise im Süden von Kambodscha auf einer Insel zur Erholung. Wir wünschen Euch weiterhin eine gute Heimfahrt. Sind Eure Rückkehrpläne schon veröffentlichbar?
Rolf und Gerhild Bickelmann
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Moin Rolf und Gerhild 👋
Wir sind ja jetzt kurz vor Suez und warten auf abflauenden Wind. Dienstag geht’s wohl auf nach Suez. Von dort in die Türkei und weiter nach Gibraltar.
Herzliche Grüße
Jan-Dirk
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