Der totale Katastrophentag gefolgt von der totalen Entspannung.
In der Nacht auf Tag 5 lassen wir den Gennaker stehen. Die Vorhersage ist bestens, der Wind seit Stunden konstant und wir flitzen dahin. Gegen 4 Uhr kommt doch eine kleine Regenfront und Bianca weckt den Käptn. Die Windspitzen sind knackig, aber gerade noch tolerierbar und sie wettern die Front ab. Als ich zur Wache komme, nähert sich gerade die zweite Front. „Sieht recht harmlos aus und beim letzen Mal ging es auch,“ denke ich mir und stelle den Autopilot auf wind hold, so das die Pami sich selbständig nach dem Wind ausrichtet, falls er in den Regenböen dreht. Tatsächlich ist es super harmlos, der Wind nimmt sogar deutlich ab, in und nach dem Squall. Bis es hell wird ist Ruhe, dann sehe ich die nächste Front kommen. Scheint mir auch nicht schlimmer als die davor – was für ein Irrtum…. Hätte, hätte, hätte ich… am Ende kann ich nur noch schreien: „JD! Der Gennaker ist gerissen! Schnell!!!“ Ich wecke die Anderen und gemeinsam kämpfen wir eine Weile verbissen, die traurigen Reste unseres Lieblingssegels, in recht schwerer See und bei Regen, zu bergen. Zum Glück hängt nichts im Wasser und mit vereinten Kräften wird er am Ende in seiner Box verstaut. Und vielleicht kann man ihn ja nochmal flicken…
Geknickt und sprachlos hängen wir alle rum und die See wird immer steiler und ungemütlicher. Eine brechende Welle steigt tatsächlich von hinten ins Cockpit ein, das ist seit Jahren nicht vorgekommen. Wir sagen Tomas, das er sein kleines Kopfendefenster besser zumacht, nicht das da noch Wasser reinkommt. Als ich an meinem Bett ankomme, um dort das selbe zu tun, ist es schon zu spät. Kopfkissen, Bettkante, Teile der Matratze sind nass. Richtig viel!, bemerke ich, als ich die Bettkante mit meinem Schlaftshirt trockenwische. Nachdem die Matratze in der, zu Glück wieder scheinenden Sonne liegt, mache ich mich also noch mal auf, die Bilge zu kontrollieren. Oh nein. Gerade hatten wir unseren Kartoffelvorrat von der Steuerbord- in die Backbordbilge geräumt, weil sie dort nass geworden waren. Jetzt müssen die Armen schon wieder schwimmen und wir Armen sie schon wieder retten und trockenlegen. Und danach auch noch die Blige ausputzen.
Ist es jetzt mal gut? Ich meine, wir kämpfen hier mit 2,50 m steiler Welle, schlingerndem Schiff und Wasser im Cockpit, das reicht doch eigentlich! Tut es aber nicht. Weil es irgendwie nahe liegt, kontrollieren wir auch die andere Bilge: voller Wasser. Kein Seewasser. Wo kommt das denn bitte her? Ich mach’s kurz: die Duschpumpe ist kaputt, das ganze Duschwasser schwappt im Kiel. Nicht so schlimm, aber auch das will noch an diesem Katastrophentag trockengelegt und geputzt werden. Man man man.
Das dieser Tag dennoch ein tolles Ende nimmt, mag man kaum glauben, aber so kommt es! Davon morgen mehr – versprochen!
